London by Night / Groundling Economy

Es ist ein (fast) unvergleichliches Feeling: Man kommt aus der Abendvorstellung von Shakespeare’s Globe Theatre und schlendert über die Millenium Bridge zurück auf die Nordseite der Themse (d.h. zur U-Bahn-Station). Frank Sinatras „London by Night“ drängt sich irgendwie auf, aber man will dann doch weder Londoner noch Mit-Touristen mit den eigenen, nicht vorhandenen Sangeskünsten quälen. Also summt man nur beinahe unhörbar vor sich hin, sieht sich die Lichter der nächtlichen City an und genießt den auftretenden Endorphinschub…

Für alle, die sich nun schon einen Absatz lang fragen, wovon ich überhaupt spreche: Shakespeare’s Globe Theatre ist der 1997 eröffnete Nachbau eines Londoner Renaissance-Theaters, namentlich des von Shakespeares Truppe bespielten Globe Theatre, allerdings nicht exakt am Originalstandort. Ein von außen beinahe rund wirkendes Polygon mit 20 Seiten umschließt einen Innenhof, in dem der Großteil der Theaterbesucher als sog. „groundlings“ steht – die Bühne ragt ebenfalls weit in den Hof hinein. (Man kann natürlich auch auf den Galerien – s. Foto – sitzen, aber das ist doch nun wirklich nur halb so lustig, wenn auch bei einer rund dreistündigen Aufführung wahrscheinlich deutlich weniger anstrengend).

Shakespeare's Globe Theatre von innen (Galerien und Bühnendach)

Das Ganze schafft für die dort üblicherweise aufgeführten spätmittelalterlichen und Renaissance-Theaterstücke und entsprechende Adaptionen eine sehr eindringliche Atmosphäre – ein Besuch ist daher sicher nicht nur Theater- und Geschichte-Aficionados zu empfehlen! (Obwohl ich natürlich beides und von daher womöglich befangen bin… hmmm).

Das einzig Verstörende an einem Besuch in Shakespeare’s Globe ist, dass einem das Galoppieren der Inflation in den letzten 400 Jahren so richtig bewusst wird. In der Zeit von Elizabeth I. wurden die „groundlings“ schon mal „one penny stinker“ genannt, und zwar nach dem Eintrittspreis, den sie für ihren Stehplatz im Hof zahlten. Heute, in der Zeit der zweiten Elizabeth, ist der Eintrittspreis als „groundling“ mit ₤ 5 zwar immer noch vergleichsweise billig, aber man kann den weiten Weg von dem einen Penny zu den fünf „quid“ auch nicht gerade leugnen. Und dieser Weg schließt sogar – Achtung, Klugschiss des Tages – die Umstellung auf das Dezimalsystem im Jahre 1971 mit ein; davor bestand ein Pfund Sterling nämlich nicht aus 100, sondern aus immerhin 240 Pence. Damit ist der eine Penny aus, sagen wir, dem Jahr 1599 (als das erste „Globe“ eröffnet wurde) nicht 1/500, sondern nur 1/1200 des heutigen Eintrittspreises… ein Tausendzweihundertstel!!!1elf

Millenium Bridge mit Blick auf die Bankside (inkl. Shakespeare's Globe - klein, weiß, rechte Bildhälfte)

Dass die Millenium Bridge eine im Jahr 2000 eröffnete Fußgängerbrücke über die Themse ist, konnte man zum Großteil wohl schon dem Namen entnehmen. Nicht dem (offiziellen) Namen entnehmen kann man dagegen, dass das Ding zu Beginn eine veritable Fehlkonstruktion war, die umso stärker zu schwingen begann, je mehr Leute auf ihr gingen, was ihr den Spitznamen „wobbly bridge“ eintrug – diese und ähnliche Geschichten und Geschichtchen erfährt man allerdings möglicherweise bei einem London Walk. Doch das ist ein anderer Blog-Eintrag.

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