Nachts im Museum – auf Londoner Art
14 Nov 2011 3 Kommentare
in Querfeld Schlagworte: Kunst, Literatur, London, Reise
London ist teuer. Die U-Bahn, das Essen, die großen touristischen Sehenswürdigkeiten wie Tower oder London Eye (wobei ich letzteres nicht nur wegem dem gesalzenen Preis ausgelassen habe) – ja, sogar für das Stehen auf dem „ausgeschilderten“ Teil der Nullmeridian-Linie in Greenwich muss man Geld ablegen. Doch jetzt kommt die gute Nachricht: In einige der größten Museum kommt man – gratis!
Was in Österreich wie eine Utopie klingt – der freie Zugang zu den bedeutendsten Kunst- und Kulturschätzen des Landes, und das womöglich auch noch regelmäßig zu sehr ausgedehnten Öffnungszeiten – ist etwa in der Londoner National Gallery eine Selbstverständlichkeit. Begeistert nutzte ich also die Möglichkeiten: Freitags sind in der National Gallery bis 21 Uhr die Tore geöffnet, und um 19 Uhr gibt es – zum ersten Erkunden der riesigen Sammlung – nochmals eine sog. „Teaser Tour“; auch die übrigens kostenlos (und dabei, zumindest in meinem Fall, von einer sehr netten, kunsthistorisch absolut kompetenten Dame geleitet, die es verstand, komplexe Inhalte verständlich zu machen, ohne dabei für Besucher mit Vorwissen fade zu werden). Wie man am Foto sehen kann, war an diesem Tag noch zusätzliches Remmidemmi in Form einer „Malaysia Night“ am Trafalger Square, an dem die National Gallery gelegen ist, sodass ich nach dem späten Museumsbesuch noch von beschwingten fernöstlichen Klängen zur U-Bahn-Station begleitet wurde.
Die British Library wiederum beherbergt u.a. einige der wichtigsten Handschriften nicht nur der englischen, sondern überhaupt der europäischen, teilweise der Weltgeschichte – wie auf ihrer Homepage so schön zu lesen steht:
„The Sir John Ritblat Gallery in our St Pancras building hosts a permanent display of many of our greatest treasures. See over 200 beautiful and fascinating items: sacred texts from many faiths, maps and views, early printing, literary, historical, scientific and musical works from over the centuries and around the world.
Discover some of the world’s most exciting and significant books, from Magna Carta and the Gutenberg Bible, to Handel and the Beatles. Marvel at the Lindisfarne Gospels, the genius behind the Leonardo notebooks, and see the earliest versions of some of the greatest works of English literature, including Alice’s Adventures Under Ground and Shakespeare’s First Folio.“
Auch hier kann man sich für lau (und im Übrigen, wie auch sonst meist in London, ohne Garderobenpflicht) die Augen aus dem Kopf starren – und zwar in einer nur anfangs klein wirkenden Ausstellung, die zusätzlich mit Hörproben und interaktiven, digitalen Stationen aufgepeppt wurde. Und weil man, gerade für Londoner Verhältnisse, dann noch viel zu wenig Geld ausgegeben hat, kann man sich hinterher ja im überzeugend hip in den Hof gebauten Café „The Last Words“ die teuerste heiße Schokolade gönnen, die man jemals getrunken hat… yummy.
Zum Abschluss möchte ich noch ein drittes Museum erwähnen, in dessen Schau ich bei freiem Eintritt hineinschnuppern konnte, nämlich das National Maritime Museum in Greenwich. Anhand dieses Besuches lässt sich auch der (aus meiner Sicht) große Vorteil eines allgemeinen Gratis-Eintrittes demonstrieren (große Glasboxen in den Foyers fordern mehr oder minder dezent ohnehin dazu auf, trotzdem einen Obolus zu leisten): Uns war am Abreisetag noch etwa eine Stunde in Greenwich „übriggeblieben“, wir nutzten diese, um einen Teil der Sammlung des Marinemuseums anzusehen. Wenn es mit Kosten verbunden gewesen wäre, wären wir wohl kaum für eine (knappe) Stunde in ein Museum gegangen, noch dazu in eines über Seefahrt. So aber konnten wir uns immerhin die Ausstellungsräume ansehen, deren Titel für uns am interessantesten klangen, und uns dadurch überzeugen lassen, dass sich ein ausgedehnterer Besuch sicher lohnen würde (der nächste London-Trip kommt bestimmt…).
Der Gratis-Eintritt in Museen ist meiner Meinung nach keine Abwertung der ausgestellten Gegenstände (das Ambiente ist sowieso ehrfurchtgebietend und z.B. in der National Gallery hat jeder noch so kleine Raum einen eigenen Aufpasser, die Atmosphäre ist also durchaus „museumstypisch“), sondern ein ideales niederschwelliges Angebot, das vielleicht Leute zu einem Besuch verführt, die sonst nie oder kaum in Museen bzw. in dieses bestimmte Museum gehen würden. Außerdem erscheint mir der Gedanke sehr verlockend, wenn man in London wohnt, einfach mal zum Entspannen bei seinem Lieblingsgemälde oder der für einen selbst beeindruckendsten Handschrift „vorbeizuschauen“… fast ein bisschen so, als hätte man sie zuhause im Wohnzimmer.
London Walks
30 Okt 2011 7 Kommentare
in Querfeld Schlagworte: London, Reise
London Walks, das ist Stadterkundung zu Fuß mit einem (sehr) professionellen Guide. Im Internet findet man das Was-Wann-Wo und taucht dann einfach auf, ganz unbürokratisch ohne Voranmeldung. ₤ 8 (vergünstigt: ₤ 6) kostet der Spaß, was es aber durchaus wert ist.
Für einen Walk, der freitags 11 Uhr vormittags beginnt, muss man zwar nicht unbedingt Frühaufsteher sein, aber jedenfalls viel Tagesfreizeit haben – z.B. als Pensionist, Student und/oder Tourist. Der Guide kennt seine Pappenheimer schon, fragt nach Studenten- und Pensionistenausweisen und ermöglicht so fast allen den ermäßigten Preis (sogar mein oranger Uni-Wien-Wisch wurde anstandslos akzeptiert, obwohl ich den selbst immer leicht kurios finde, ist er doch der gefühlt einzige Studentenausweis weltweit, der noch auf Papier ausgestellt wird).

Unser Guide Shaughaun. Und die Erkenntnis, dass London grün ist. Auch abseits der großen Parks. Manchmal.
Und dann geht es auch schon los, zu einer etwa zweistündigen Tour de force durch „Hidden London“, die aber nie langweilig oder unangenehm anstrengend wird. Vom römerzeitlichen „Grundstein“ bis zur Millenium Bridge reicht diese Reise in zeitlicher Ausdehnung; sogar den Fußgängerübergang mit der angeblich kürzesten Grünphase Londons lernt man kennen, indem man ihn gleich zu Beginn zweimal überqueren darf. Keine Sorge, ich bin heil hinüber- und wieder herübergekommen, und konnte so noch viele weitere bedeutsame Stätten besichtigen, der Großteil davon aus der Zeit nach dem Großen Feuer von 1666, als die Stadt praktisch komplett neu aufgebaut wurde. Maßgeblicher Architekt in dieser Periode war Christopher Wren, dessen Name immer wieder fällt und vor dessen Opus magnum, der St Paul’s Cathedral, man kurz steht, bevor es zwischen alten Pubs (s. Foto) und Kirchhöfen hindurch wieder weitergeht im Gassengewirr der City of London.

The Cockpit, ein alt-ehrwürdiges Pub irgendwo zweimal links (oder so ähnlich) von St Paul's Cathedral.
Selbst für mich, die ich mich eines guten Orientierungssinnes rühme, ist es unmöglich, sich alle „turns“ und (Schleich-)Wege zu merken. Auch die Namen sämtlicher-sämtlicher Kirchen entlang der Route sind nicht so einfach zu behalten wie so manche Anekdote – „…and next to St Michael’s, a little shrine to the patron saint of coffee, St Arbucks“.
Fazit: Wenn man von diesem London Walk auf andere schließen darf, sind sie wohl allesamt großes Kino – bei der angebotenen Themenpalette dürfte auch für (fast?) jeden etwas dabei sein. If in London, go for a Walk!
P.S.: Und weil man „London Walks“ ja auch als 3. Person Singular missverstehen könnte, möchte ich euch auch nicht vorenthalten, dass Vorsicht (die Mutter der Porzellankiste) irgendwo bei der British Library herumsteigt:
Aber die British Library gehört wohl wieder einmal zu einer anderen Geschichte…
London by Night / Groundling Economy
22 Okt 2011 4 Kommentare
in Querfeld Schlagworte: London, Reise, Theater
Es ist ein (fast) unvergleichliches Feeling: Man kommt aus der Abendvorstellung von Shakespeare’s Globe Theatre und schlendert über die Millenium Bridge zurück auf die Nordseite der Themse (d.h. zur U-Bahn-Station). Frank Sinatras „London by Night“ drängt sich irgendwie auf, aber man will dann doch weder Londoner noch Mit-Touristen mit den eigenen, nicht vorhandenen Sangeskünsten quälen. Also summt man nur beinahe unhörbar vor sich hin, sieht sich die Lichter der nächtlichen City an und genießt den auftretenden Endorphinschub…
Für alle, die sich nun schon einen Absatz lang fragen, wovon ich überhaupt spreche: Shakespeare’s Globe Theatre ist der 1997 eröffnete Nachbau eines Londoner Renaissance-Theaters, namentlich des von Shakespeares Truppe bespielten Globe Theatre, allerdings nicht exakt am Originalstandort. Ein von außen beinahe rund wirkendes Polygon mit 20 Seiten umschließt einen Innenhof, in dem der Großteil der Theaterbesucher als sog. „groundlings“ steht – die Bühne ragt ebenfalls weit in den Hof hinein. (Man kann natürlich auch auf den Galerien – s. Foto – sitzen, aber das ist doch nun wirklich nur halb so lustig, wenn auch bei einer rund dreistündigen Aufführung wahrscheinlich deutlich weniger anstrengend).
Das Ganze schafft für die dort üblicherweise aufgeführten spätmittelalterlichen und Renaissance-Theaterstücke und entsprechende Adaptionen eine sehr eindringliche Atmosphäre – ein Besuch ist daher sicher nicht nur Theater- und Geschichte-Aficionados zu empfehlen! (Obwohl ich natürlich beides und von daher womöglich befangen bin… hmmm).
Das einzig Verstörende an einem Besuch in Shakespeare’s Globe ist, dass einem das Galoppieren der Inflation in den letzten 400 Jahren so richtig bewusst wird. In der Zeit von Elizabeth I. wurden die „groundlings“ schon mal „one penny stinker“ genannt, und zwar nach dem Eintrittspreis, den sie für ihren Stehplatz im Hof zahlten. Heute, in der Zeit der zweiten Elizabeth, ist der Eintrittspreis als „groundling“ mit ₤ 5 zwar immer noch vergleichsweise billig, aber man kann den weiten Weg von dem einen Penny zu den fünf „quid“ auch nicht gerade leugnen. Und dieser Weg schließt sogar – Achtung, Klugschiss des Tages – die Umstellung auf das Dezimalsystem im Jahre 1971 mit ein; davor bestand ein Pfund Sterling nämlich nicht aus 100, sondern aus immerhin 240 Pence. Damit ist der eine Penny aus, sagen wir, dem Jahr 1599 (als das erste „Globe“ eröffnet wurde) nicht 1/500, sondern nur 1/1200 des heutigen Eintrittspreises… ein Tausendzweihundertstel!!!1elf

Millenium Bridge mit Blick auf die Bankside (inkl. Shakespeare's Globe - klein, weiß, rechte Bildhälfte)
Dass die Millenium Bridge eine im Jahr 2000 eröffnete Fußgängerbrücke über die Themse ist, konnte man zum Großteil wohl schon dem Namen entnehmen. Nicht dem (offiziellen) Namen entnehmen kann man dagegen, dass das Ding zu Beginn eine veritable Fehlkonstruktion war, die umso stärker zu schwingen begann, je mehr Leute auf ihr gingen, was ihr den Spitznamen „wobbly bridge“ eintrug – diese und ähnliche Geschichten und Geschichtchen erfährt man allerdings möglicherweise bei einem London Walk. Doch das ist ein anderer Blog-Eintrag.
Wie man (relativ) spontan nach London fliegt
18 Okt 2011 6 Kommentare
in Querfeld Schlagworte: Freundschaft, London, Reise, Sommer
Eine Anleitung, für deren Nachahmung ich nun wirklich keine Garantie übernehmen kann:
Man nehme eine liebe Freundin, eine DVD des im deutschen Sprachraum irgendwie ziemlich underrateden BBC-„Sherlock“ von 2010 und eine schöne Portion Zeit – Staffel 1 von „Sherlock“ besteht aus drei 90-Minuten-Filmen, wenn man die am Stück gucken will, macht man es sich besser wirklich gemütlich – vielleicht nicht gerade direkt vor dem Beamer, der soviel Hitze abstrahlt, dass sich der Raum auch dann wie eine Stadtwohnung im August anfühlen würde, wenn es nicht gerade eine Stadtwohnung im August wäre, und vielleicht, indem man die altklugen jüngeren Brüder der Freundin vorher aussperrt, aber für das Endergebnis sind solche Lappalien dann doch ziemlich nebensächlich. Denn nach viereinhalb Stunden Verbrecherjagd mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman quer durchs London der Gegenwart saßen wir mit leicht weltentrücktem Blick da und babbelten uns gegenseitig an, dass man doch bitte mal (wieder) nach London müsse.
Solche tiefnächtlichen Reisevorhaben gehen wahrscheinlich in 90% der Fälle äußerst glimpflich aus, indem man nämlich einfach nicht mehr drüber nachdenkt und daher zuhause bleibt – nicht so hier: Weil wir beide offensichtlich zu viel Zeit hatten, suchte meine Freundin nach einem günstigen Flug, ich nach einer ebenso günstigen und möglichst zentral (oder zumindest nahe einer U-Bahn-Station) gelegenen Unterkunft und binnen weniger Tage hatten wir einen viertägigen Aufenthalt zum Studentenpreis zusammengestellt. Wenn man schon geglaubt hat, in diesem Sommer gar nicht mehr aus Mitteleuropa rauszukommen, ist so ein Londontrip im September wahrlich mehr als nur ein Trostpflaster.
(Ich merke gerade, dass ich wohl mal einen eigenen „Sherlock“-Blogpost schreiben muss – ich bin infiziert, bis zum Erscheinen von Staffel 2 Anfang 2012 muss ich noch möglichst viele weitere Leute anstecken ^^).






Die letzten Gerüchte…