Nachts im Museum – auf Londoner Art

London ist teuer. Die U-Bahn, das Essen, die großen touristischen Sehenswürdigkeiten wie Tower oder London Eye (wobei ich letzteres nicht nur wegem dem gesalzenen Preis ausgelassen habe) – ja, sogar für das Stehen auf dem „ausgeschilderten“ Teil der Nullmeridian-Linie in Greenwich muss man Geld ablegen. Doch jetzt kommt die gute Nachricht: In einige der größten Museum kommt man – gratis!

Was in Österreich wie eine Utopie klingt – der freie Zugang zu den bedeutendsten Kunst- und Kulturschätzen des Landes, und das womöglich auch noch regelmäßig zu sehr ausgedehnten Öffnungszeiten – ist etwa in der Londoner National Gallery eine Selbstverständlichkeit. Begeistert nutzte ich also die Möglichkeiten: Freitags sind in der National Gallery bis 21 Uhr die Tore geöffnet, und um 19 Uhr gibt es – zum ersten Erkunden der riesigen Sammlung – nochmals eine sog. „Teaser Tour“; auch die übrigens kostenlos (und dabei, zumindest in meinem Fall, von einer sehr netten, kunsthistorisch absolut kompetenten Dame geleitet, die es verstand, komplexe Inhalte verständlich zu machen, ohne dabei für Besucher mit Vorwissen fade zu werden). Wie man am Foto sehen kann, war an diesem Tag noch zusätzliches Remmidemmi in Form einer „Malaysia Night“ am Trafalger Square, an dem die National Gallery gelegen ist, sodass ich nach dem späten Museumsbesuch noch von beschwingten fernöstlichen Klängen zur U-Bahn-Station begleitet wurde.

National Gallery, davor "Malaysia Night" am Trafalger Square

Die British Library wiederum beherbergt u.a. einige der wichtigsten Handschriften nicht nur der englischen, sondern überhaupt der europäischen, teilweise der Weltgeschichte – wie auf ihrer Homepage so schön zu lesen steht:

„The Sir John Ritblat Gallery in our St Pancras building hosts a permanent display of many of our greatest treasures. See over 200 beautiful and fascinating items: sacred texts from many faiths, maps and views, early printing, literary, historical, scientific and musical works from over the centuries and around the world.
Discover some of the world’s most exciting and significant books, from Magna Carta and the Gutenberg Bible, to Handel and the Beatles. Marvel at the Lindisfarne Gospels, the genius behind the Leonardo notebooks, and see the earliest versions of some of the greatest works of English literature, including Alice’s Adventures Under Ground and Shakespeare’s First Folio.“

Auch hier kann man sich für lau (und im Übrigen, wie auch sonst meist in London, ohne Garderobenpflicht) die Augen aus dem Kopf starren – und zwar in einer nur anfangs klein wirkenden Ausstellung, die zusätzlich mit Hörproben und interaktiven, digitalen Stationen aufgepeppt wurde. Und weil man, gerade für Londoner Verhältnisse, dann noch viel zu wenig Geld ausgegeben hat, kann man sich hinterher ja im überzeugend hip in den Hof gebauten Café „The Last Words“ die teuerste heiße Schokolade gönnen, die man jemals getrunken hat… yummy.

British Library, links hinter den Schirmen das Café "The Last Words"

Zum Abschluss möchte ich noch ein drittes Museum erwähnen, in dessen Schau ich bei freiem Eintritt hineinschnuppern konnte, nämlich das National Maritime Museum in Greenwich. Anhand dieses Besuches lässt sich auch der (aus meiner Sicht) große Vorteil eines allgemeinen Gratis-Eintrittes demonstrieren (große Glasboxen in den Foyers fordern mehr oder minder dezent ohnehin dazu auf, trotzdem einen Obolus zu leisten): Uns war am Abreisetag noch etwa eine Stunde in Greenwich „übriggeblieben“, wir nutzten diese, um einen Teil der Sammlung des Marinemuseums anzusehen. Wenn es mit Kosten verbunden gewesen wäre, wären wir wohl kaum für eine (knappe) Stunde in ein Museum gegangen, noch dazu in eines über Seefahrt. So aber konnten wir uns immerhin die Ausstellungsräume ansehen, deren Titel für uns am interessantesten klangen, und uns dadurch überzeugen lassen, dass sich ein ausgedehnterer Besuch sicher lohnen würde (der nächste London-Trip kommt bestimmt…).

Der Gratis-Eintritt in Museen ist meiner Meinung nach keine Abwertung der ausgestellten Gegenstände (das Ambiente ist sowieso ehrfurchtgebietend und z.B. in der National Gallery hat jeder noch so kleine Raum einen eigenen Aufpasser, die Atmosphäre ist also durchaus „museumstypisch“), sondern ein ideales niederschwelliges Angebot, das vielleicht Leute zu einem Besuch verführt, die sonst nie oder kaum in Museen bzw. in dieses bestimmte Museum gehen würden. Außerdem erscheint mir der Gedanke sehr verlockend, wenn man in London wohnt, einfach mal zum Entspannen bei seinem Lieblingsgemälde oder der für einen selbst beeindruckendsten Handschrift „vorbeizuschauen“… fast ein bisschen so, als hätte man sie zuhause im Wohnzimmer.

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